Paar im Herbst

Helmut Blepp

Dünnwandige Töpfe halten die Hitze nicht
und wenn wir ums Feuer sitzen
siedet unser Blut wie die Karkasse
in der simmernden Brühe

Dein zerfurchtes Gesicht ist mein Spiegel
denn wenn du lachst zerreißt es meinen Mund
luftleichte Flechten schweben dann zu Boden
und bläst der Wind nachts unter der Dielentür herein
raschelt unser Haar mit dem drapierten Wollgras um die Wette

Diese lahmen Gelenke am Morgen
anhaltende Müdigkeit bei wachem Verstand
darauf hat uns keiner vorbereitet
auch nicht auf diese ständig wiederkehrenden Träume
in denen wir unbeschwert mit Toten reden
die uns für ihresgleichen halten

Dabei haben wir noch gestern die kalten Leiber
unserer Mütter gewaschen vorm Abtransport
den endlich sprachlosen Vätern die Kinnbinden angelegt
und bei der Auswahl der Totengewänder
die emissionsfreie Kremation berücksichtigt

Jetzt kochen wir die Hühnerbrühe
wie schon die Mütter unserer Mütter
denn Hühnerbrühe hilft immer
wenn uns das Frösteln überkommt

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