Ich stehe am Bahnsteig und warte. Das Gleisbett ist unbewegt. Es wogt nicht. Nicht, wenn ich hinsehe. Ich mag es, weil es ein schönes Wort ist. Und ich misstraue ihm, weil es ein schönes Wort ist. Nicht jeden Abgrund kann ich derart benennen.
Sofie Morin, *1972 in Wien, lebt seit 2003 bei Heidelberg, Studienabschlüsse in tierischer Verhaltensforschung und menschlicher Philosophie in Wien. 2023 erhielt sie für ihren Essay „Am Badeteich der postmodernen Identitätspolitik“ den Heidelberger Autor:innenpreis, 2024 war sie für den Feldkircher Lyrikpreis nominiert und erhielt für die queere Kurzprosa „Flugunfähig“ den Salzburger Erostepost Literaturpreis.
Zuletzt erschienen: „Liebeleien mit Wuchsformen. Eine translibidinöse Pflanzenkunde“. 2025 folgten drei dialogische Buchveröffentlichungen: „Nachtschatten im Frauenhaarmoos. Phytopoetische Dialoge“ gemeinsam mit Ulrike Titelbach, „Käferfunde. Den Wald herbeireden: gemeinsam“ mit Silke Scheffel und „Frauen lieben lernen“ im Dialog mit 14 deutschsprachigen Autorinnen zu historischen kunstschaffenden Frauen.
