Menstruationsgedichte

Lena Hörl

MENS I

Granatäpfel brechen ihre Schalen
neonroter Schmerz, keine Wasserfarben
wenn ich blute, nur Gestochertes
im Unterleib fiebrig mit Schnäbeln und Scheren
oder flüssiges Kerzenwachs
ich spule mich auf
winde mich als silberner Draht
um Rosenstöcke im Winter
ich spule mich immer rückwärts auf
Granatäpfel zerreiben sich
zwischen meinen Eierstöcken
zu spitzen Versatzmomenten


MENS II

mit Lehm und Erde heute
einen neuen Torso in der Hand gedreht
eingepackt und Schleife drauf
in zerrissenen Bändern mir übergestülpt
Papierschnitt und Blut am Finger
unbewohnter Unterleib, der denkt, doch wirklich mir zu gehören
kaltes Stethoskop auf dem Nabel
ein
aus
ich werde nie mehr gesund

MENS III

wie Mutter mit ihren Fingern Hagebutten von Sträuchern klaubt
klirrend wie Glasfrüchte und gequetscht in Passiermühlen
Mutter kurbelt und ich schreie mich auseinander
matschig roter Rinnsal zu Marmelade
Mutter kennt nicht den Schmerz in meinem Becken


MENS IV

Regen und Zeigefinger über Mund
Pscht!
Schriftlosigkeit in furchiger Erde
scheinbar Verlorengegangenes wird ausgewaschen
Ohrringe, Dachziegel, Backenzähne
ich grabe
Hände in Erde gesteckt
reiße Erdbrocken aus dem dunklen Mosaik
meine Krallen blitzen silbern im Licht
auf der Suche nach Knochen, Gräbern, Fossilien
in roter, rinnender Erde
Ruhe und Regen
Ohr auf Erde
auf der Suche nach einer Stimme
für dieses Urzeitliche

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