wolke+schrei

Ernesto Salazar‑Jiménez

Wenn Oktober ist,
mit rotem Pinselstrich auf den Fenstern,
erwacht die Maschine mit dem nächtlichen,
                                                  mündlichen, versteckten Tau,
lässt die Dämonen hinter der Morgendämmerung zurück,
eingeschlossen in ätherischen Wolken.

Die Gitterstäbe der Kioske
beherrscht von den Sünden der anderen:
Dunkelheit, luftige Wege, Feste, Manöver.

Ich ließ die Gebete, die Worte,
                                die Gespräche mit Engeln,
auf dem Nachttisch liegen,
der neben meiner Kindheit stand.

Alle Kassetten sind geschmolzen,
die schwarzen Schallplatten,
die tragbaren Geräte.
Die Werbungen für Autos,
                          für Schokolade,
                          für Jeans-Jacken im Fernsehen,
                                                                geschmolzen.
Nicht mehr auf die Plakate an den Autobahnen geschaut,
ich habe keine Lizenz dafür.

Die Theaterkarten von gestern habe ich noch
in meinem Kalender,
um die jüngsten Erinnerungen aufzubewahren

      sie im Staub zu vergessen,
            in den Allergien,
            in der Angst.

Ich weiß nicht, wie man über Räder in Gärten schreibt,
                         noch über Rutschen nach dem Schulschluss.
Ich weiß nicht, was ich anfangen soll mit diesen Teenager-Tänzen,
                                                             mit Liedern,
die ich nicht vergessen kann,
auch wenn ich es zweimal versuche.
Ich habe die Namen vergessen
von denen, die mir den Fuß gestellt haben.
Ich habe die Orte vergessen,
wo es die Schoko-Profiteroles gab,
die ich immer essen wollte,
                                                aber das Geld, das mir immer fehlte,
habe ich nicht vergessen.

Ich habe geschrien vor Verzweiflung,
wie ich auf Straßenkonzerten
                    geschrien habe
mit Tränen, mit Spucke und Rotz in der Hand,
eingewickelt in Papier.
Ich habe geschrien, ich habe laut STOPP gesagt
zu den gewissenlosen Fußgängern
zu den Eingeweidemanipulatoren.

Ich war gestern im Kino,
denn das Leben in der Kiste ist billiger
als auf Schienen zu rollen.
Ich will laufen,
ich will rennen.

Eingeschlossen in ätherische Tageswolken,
ohne Sünden an den Händen,
ohne die Schmerzen in Füßen und Hüften,
ohne Haare,
ohne Fotos in Zeitungen,
ohne Katechismen.

Die Kioske, gefangen in den Sünden der anderen.
Ich habe kein Licht,
um gegen den Neid der anderen zu kämpfen.
Ich trage keine Waffen im Rucksack
gegen die Heuchelei,
nicht einmal die noch warmen, weichen, feuchten Spuren
der Kämpferinnen auf dem Pflaster.

Es fällt mir schwer, es zu sagen.
Ich schaue zur Erde und ihre Farbe,
ich erinnere mich, dass ich geschrien habe,
dass ich ein Gefangener war,
der Angst zu sprechen hatte.

Die Ameisen stehen heute auf zur Arbeit,
im Oktober.
Es ist Herbst,
ein Tag mit wildem, erbarmungslosem Wind.
Das Rot ist noch da,
es bleibt,
               während ich mich an die ätherischen Schreie erinnere.

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